Bericht: Neues von der Finest Spirits 2020

Neuheiten

Zu unseren Entdeckungen auf der Finest Spirits 2020 zählen die Neuheiten der Birkenhof Brennerei. Der Familienbetrieb im rheinland-pfälzischen Nistertal erweiterte Ende 2019 seine als „Birkenhof Master Edition“ bekannte Serie um den Jon Handcrafted Rum und den Luk Handcrafted Vintage Korn. Für den Rum wird guatemaltekische Zuckerrohrmelasse nach dem Pot-Still-Verfahren destilliert. Anschließend reift das Destillat in amerikanischen Eichenholzfässern und ehemaligen Bourbonfässern heran. Das Batch No. 1 verbrachte keine zwei Jahre in den Fässern, ehe ohne Farbstoff mit einem Alkoholvolumen von 42 Prozent abgefüllt wurde. Dagegen handelt es sich beim Korn um einen Weizenbrand, der zweierlei Brennverfahren vereint. So trifft ein klassisch gebrannter Weizenbrand, gereift für über zwei Jahre in Ex-Cognacfässern, auf einen in einer für Whisky ausgelegten Kupferbrennblase destillierten Weizenbrand mit mindestens zweijähriger Reifung in Ex-Bourbon- und Ex-Pinot-Noir-Rotweinfässern. Abgefüllt wird frei von Farbstoff mit einem Alkoholvolumen von 43 Prozent. Ferner hatte die Birkenhof Brennerei noch die Fading Hill Peated Edition No. 1 2019 im Gepäck. Mit diesem Single Malt Whisky will die Destillerie ihren Kollegen von der schottischen Insel Islay Konkurrenz machen. Verarbeitet wird stark getorftes Gerstenmalz. Die erste Peated Edition reifte drei Jahre in einem einzelnen Ex-Bourbonfass. Abgefüllt wurde mit einem Alkoholgehalt von 46 Prozent, schonend filtriert und ohne Farbstoff.

Birkenhof Brennerei
Bild: Spirituosen-Journal.de

Zwischen den zahlreichen Whisk(e)ys, die am Stand von Beam Suntory anzutreffen waren, stach der neue Kilbeggan Single Pot Still hervor. Wie der zuletzt lancierte Kilbeggan Small Batch Rye soll auch der Neuzugang komplett in der im Jahr 2010 restaurierten Kilbeggan Distillery in Kilbeggan im irischen County Westmeath entstehen. Die zweifache Destillation nach dem Pot-Still-Verfahren erfolgt laut offiziellen Angaben auf der Grundlage einer historischen Mashbill aus gemälzter und ungemälzter Gerste sowie 2,5 Prozent Hafer. Bezüglich Dauer und Art der Reifung hält man sich bedeckt. Abgefüllt wird mit einem Alkoholgehalt von 43 Prozent. Offizielle Angaben eine etwaige Kältefiltration oder Färbung betreffend liegen nicht vor.

Kilbeggan Single Pot Still
Bild: Spirituosen-Journal.de

Weiterhin zeigte Beam Suntory den hierzulande noch recht neuen The Macallan Estate. Dieser spezielle Single Malt Whisky der The Macallan Distillery in der schottischen Speyside wird in regelmäßigen Abständen in geringen Mengen produziert. Die Grundlage bildet ausschließlich das Malz der Gerste, die die Brennerei auf ihrem Anwesen in Easter Elchies anbaut. Hinsichtlich Dauer und Art der Reifung fehlen offizielle Angaben. Das Abfüllen in Flaschen geschieht mit einem Alkoholgehalt von 43 Prozent und ohne Farbstoff. Ob es zu einer Kältefiltration kommt, ist nicht bekannt.

The Macallan Estate
Bild: Spirituosen-Journal.de

Am Stand von Diageo wartete der neue Roe & Co Cask Strength. Wie die Bezeichnung wohl schon verraten dürfte, handelt es sich hierbei um eine Ausführung des Roe & Co Blended Irish Whiskeys in Fassstärke. Das nun erhältliche Limited Release 2019 des Blends mindestens drei Jahre überwiegend in First-Fill-Bourbonfässern gereifter Malt und Grain Whiskeys einer unbekannten Brennerei weist eine Alkoholstärke von 59,1 Prozent auf. Zu einer Kältefiltration kommt es nicht. Ob Farbstoff seinen Weg in den Whiskey findet, konnten wir nicht in Erfahrung bringen.

Roe & Co Cask Strength
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Der aus dem niedersächsischen Nottensdorf angereiste Aussteller Alba Import brachte den Velvet Fig 25 Jahre des unabhängigen Abfüllers Wemyss Malts mit. Diese Limited Edition entstand anlässlich des 15-jährigen Jubiläums des familiengeführten Unternehmens. In dem Blended Malt Whisky wurden 15 Ex-Sherryfässer gut drei Jahrzehnte gereifter Single Malt Whiskys der Bunnahabhain Distillery auf der schottischen Insel Islay mit fünf Ex-Sherryfässern mindestens 25 Jahre gereiften Single Malt Whiskys aus den schottischen Highlands sowie der Region Speyside vermählt. Nach einer mehrmonatigen Vermählung und Nachreifung wurde mit einem Alkoholgehalt von 42,3 Prozent, ohne Kältefiltration und ohne Farbstoff abgefüllt. Wie viele Flaschen entstanden, ist uns nicht bekannt. Der Verkaufsstart soll Anfang März exklusiv für den Wemyss Cask Club erfolgen.

Velvet Fig 25 Jahre
Bild: Spirituosen-Journal.de

Apropos Wemyss Malts. Aus deren noch jungen Kingsbarns Distillery in den schottischen Lowlands kommt ein sorgsam von Distillery Manager Peter Holroyd ausgewählter Single Cask Whisky exklusiv nach Deutschland. Der Single Malt Whisky hinter der ersten Einzelfassabfüllung für den deutschen Markt durfte drei Jahre in einem „frischen“ Ex-Bourbonfass reifen. Gewonnen werden konnten 258 Flaschen bei einer Fassstärke von 61,4 Prozent. Auf eine Kältefiltration sowie auf eine Färbung wurde verzichtet.

Kingsbarns Single Cask
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Gleich daneben erwartete die Besucher der neue Wolfburn Small Batch No. 155. Das inzwischen vierte Small Batch Release der Wolfburn Distillery in den schottischen Highlands ist ein limitierter, leicht getorfter Single Malt Whisky verbrachte seine über vierjährige Hauptreifung in First-Fill-Bourbon-Barrels, gefolgt von einem sechsmonatigen Finish in „frischen“ Ex-Port-Hogsheads. Insgesamt entstanden 5300 Flaschen. Abgefüllt wurde mit einem Alkoholvolumen von 46 Prozent, ohne Kältefiltration und ohne Farbstoff. Entsprechend der Nummer „155“ stammen die Fässer aus Reihe 55 in Lagerhaus eins.

Wolfburn Small Batch No. 155
Bild: Spirituosen-Journal.de

Brandneu am deutschen Markt ist das Sortiment der irischen Marke Grace O’Malley. Das ganz der irischen Piratin Grace O’Malley aus dem 16. Jahrhundert gewidmete Brand wurde in 2017 von drei befreundeten Geschäftspartnern und ihrem Unternehmen Inis Tine Uisce Teoranta im westirischen County Mayo gegründet. Das Portfolio setzt sich bereits jetzt aus einer breit gefächerten Auswahl von Spirituosen zusammen. Neben Gin und Rum liegt der Fokus maßgeblich auf Irish Whiskeys, deren Liquids aus namentlich nicht genannten Brennereien bezogen werden. Das Aushängeschild bildet der zur Crew Range zählende Grace O’Malley Blended Irish Whiskey, der zwischen drei und zehn Jahren gereifte, zweifach sowie dreifach destillierte Malt und Grain Whiskeys vereint. Die Reifung findet in French-Oak-, American-Oak-, Ex-Bourbon- und Ex-Rum-Casks statt. Abgefüllt wird mit einem Alkoholgehalt von 40 Prozent. Zudem existiert die Navigator Range mit derzeit zwei Sondereditionen: der Grace O’Malley Dark Char Cask, ein Blend gefinisht in stark ausgebrannten Fässern, und der Grace O’Malley Rum Cask, ein Blend nachgereift in Ex-Rum-Casks aus der Karibik. Beide kommen mit einem Alkoholgehalt von 42 Prozent in Flaschen. Soweit bekannt, verzichtet man auf eine Kältefiltration, setzt jedoch auf Farbstoff. Der Grace O’Malley Heather Infused Irish Gin basiert auf einer Rezeptur mit 14 Botanicals, von denen ein Teil aus dem Westen der grünen Insel einschließlich Heidekraut und Thymian stammt. Der Alkoholgehalt liegt bei 43 Prozent.

Grace O'Malley
Bild: Spirituosen-Journal.de

Der aus Hamburg angereiste Distributor Borco stellte zwei neue Limited Editions der Jura Distillery vor. Den neuen Jura Two-One-Two widmet die auf der schottischen Insel Jura ansässige Brennerei ihren 212 Einheimischen. Der als Nummer eins einer Limited Edition Series beschriebene Single Malt Whisky reifte 13 Jahre lang hauptsächlich in Ex-Bourbon-Barrels und zudem für ein Finish in Fässern aus Chinkapin Oak beziehungsweise Gelber Eiche aus Nordamerika. Abgefüllt wurden 6000 Flaschen bei einer Alkoholstärke von 47,5 Prozent. Hinsichtlich Kältefiltration und Farbstoff fehlen uns offizielle Angaben. Ferner zeigte Borco mit dem neuen Jura Rare Vintage 1989 die Fortsetzung der Ende 2018 ins Leben gerufenen Vintage-Reihe. Hinter der auf 1500 Flaschen weltweit limitierten Jahrgangsabfüllung steckt ein Single Malt Whisky, der seit seiner Destillation im Jahr 1989 drei Jahrzehnte in Ex-Bourbonfässern verbrachte. Das Abfüllen in Flaschen geschah mit einer Fassstärke von 53,5 Prozent und ohne Kältefiltration. Eine Färbung gilt als unwahrscheinlich.

Jura
Bild: Spirituosen-Journal.de

Die Brennerei Ziegler in Freudenberg in Baden-Württemberg hatte gleich mehrere Neuprodukte dabei. So erweitert seit kurzer Zeit ein Passform getaufter Kräuterlikör das Sortiment. Den offiziellen Unternehmensangaben zufolge wird entsprechend einer überlieferten Rezeptur eine umfangreiche Auswahl von Kräutern und Wurzeln verarbeitet. Die Rede ist unter anderem von Blutwurz, Wermutkraut, Tausendgüldenkraut, Enzian, Salbei, Minze, Nüsse, Süßholz und Bitterschokolade. Nach der obligatorischen Süßung wird mit einem Alkoholgehalt von 30 Prozent abgefüllt. Neuerdings widmet sich die Brennerei Ziegler stark getorftem Single Malt Whisky – der Phenolgehalt des Gerstenmalzes liegt bei sehr hohen 50 ppm. Mittels in regelmäßigen Abständen erscheinender Malzbrände sollen neugierige Genießer den Weg vom New Make Spirit zum fertigen Whisky begleiten können. Den Anfang macht der Aureum 1865 White & Peated, der kurze Zeit in Edelstahltanks ruhen durfte, ehe mit einem Alkoholgehalt von 47 Prozent abgefüllt wurde. Ähnlich neu ist der Ziegler G=in² Quince. Betitelt als Distilled Dry Gin bildet die Basis ein Quittenbrand, der mit gut ein dutzend Botanicals angereichert wird. Abgefüllt wird mit einem Alkoholvolumen von 48 Prozent. Kommentar: Unklar ist, ob es sich hierbei um einen Gin im Sinne der EU-Spirituosenverordnung handelt. Diese setzt einen Neutralalkohol mit einem Alkoholgehalt von mindestens 96 Prozent voraus. Ob es der Brennerei Ziegler gelingt, den Quittenbrand auf 96 Prozent zu destillieren, ist zumindest fraglich.

Passform
Bild: Spirituosen-Journal.de
Aureum 1865 White & Peated
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Ziegler G=in² Quince
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Vor circa einem Jahr lancierte der Importeur und Fachhändler Perola in Fürth seine ersten Bellamy’s Reserve Rums. Nun folgen gleich drei neue Abfüllungen, eine Rarität aus einem Single Cask eingeschlossen: Bellamy’s Reserve Rum Panama 1983. Der Rum wurde im Januar 1983 von der Alcoholes del Istmo Destillerie in Panama destilliert und in ein Ex-Bourbonfass eingelagert. Die Reifung im tropischen Klima dauerte bis Juli 2019 an, gefolgt von weiteren Monaten im gemäßigten Klima Deutschlands. Im vergangenen Januar und damit nach 37 Jahren wurden 275 Flaschen bei einer Fassstärke von 61 Prozent, ohne Süßung und ohne Farbstoff abgefüllt. Nicht ganz so stark limitiert ist der neue Bellamy’s Reserve Rum Rye Cask Finish, ein über acht Monate in einem Ex-Rye-Whiskeyfass aus den USA gefinishter Blend aus fünf bis zwölf Jahre alten Rums aus Jamaika, Barbados und der Dominikanischen Republik. Abgefüllt wurden 800 Flaschen. Neben dem Einstellen des Alkoholgehalts bei 45 Prozent erfolgte eine Dosage mit 12,3 Gramm pro Liter und eine Färbung. Als die erste dauerhafte Qualität wird der neue Bellamy’s Reserve Rum Jamaica Pot Still angepriesen. Dessen Basis bilden nicht näher beschriebene Pot-Still-Rums der jamaikanischen Destillerien Long Pond und Clarendon. In Deutschland erfährt der Blend ein mindestens dreimonatiges Finish in Ex-Rumfässern aus der Karibik. Das Abfüllen in Flaschen geschieht mit einem Alkoholgehalt von 43 Prozent, ohne Süßung und ohne Farbstoff.

Bellamy's Reserve Rum
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