Bericht: Bombay Sapphire Distillery – Besuch der Laverstoke Mill in England

Geschichte

Zu den bekanntesten und erfolgreichsten Gins zählt der von Bombay Sapphire. Ihren Anfang nahm die Erfolgsgeschichte im Jahr 1959 durch den New Yorker Allan Subin. Der ehemals als Anwalt tätige Importeur von Spirituosen gründete die Bombay Spirits Company mit dem Ziel, einen im Zeichen des Englands der 1920er-Jahre stehenden Gin zu kreieren. Durch seine englische Frau und sein persönliches Faible für die britische Kultur wählte der Gründer den Namen der indischen Metropole Bombay als Markennamen und das Konterfei von Queen Victoria als Markenzeichen. Für die Herstellung des Bombay Dry Gins wurde eine von Thomas Dakin und seiner Warrington Distillery im Jahr 1761 entwickelte Rezeptur mit acht teils klassischen und teils exotischen Botanicals wiederbelebt. Als Hersteller wählte Allan Subin das englische Unternehmen G&J Greenall, das bereits zuvor die Warrington Distillery übernommen hatte, und das seltene Dampfinfusionsverfahren – englisch Vapour Infusion Process – des Originals (mehr dazu im Abschnitt „Herstellung“).

Markengeschichte
Bild: Spirituosen-Journal.de
Markengeschichte

In den Jahren 1985 und 1986 nahmen sich Ian Hamilton, Head Distiller bei G&J Greenall, und Michel Roux, maßgeblich Verantwortlicher für den Erfolg von Absolut Vodka, der Überarbeitung des Bombay Dry Gins an. Grund war die stark zurückgegangene Nachfrage nach der „alten“ Spirituose Gin, während neue Vodkas vor allem durch ihre modernen Markenauftritte neue Maßstäbe setzten. Nach einer längeren Experimentierphase entschied sich das Duo zum einen für eine Weiterentwicklung der Rezeptur um zwei zusätzliche Botanicals auf insgesamt zehn und zum anderen für einen neuen Markenauftritt im Zeichen des Star of Bombay getauften Saphirs aus Sri Lanka. Im Jahr 1987 fiel der Startschuss für den neuen Bombay Sapphire London Dry Gin in einer Flasche erstmals aus saphirblauem Glas. Nach der erfolgreichen Markteinführung wurde das Design nur noch im Detail überarbeitet.

Flaschenhistorie
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Flaschenhistorie

Mit der Renaissance der Cocktails gegen Ende der 1990er-Jahre kam der erneute Aufschwung für den Gin. Zur gleichen Zeit im Jahr 1998 übernahm das familiengeführte Unternehmen Bacardi die Marken Bombay und Bombay Sapphire. Beide erfuhren in den Folgejahren ein intensiviertes Marketing und profitierten von den Verbindungen zwischen Bacardi sowie Bartendern weltweit.

Im Jahr 2010 erwarb Bacardi die in 1963 geschlossene Laverstoke Mill im englischen Laverstoke zur Errichtung der neuen Bombay Sapphire Distillery. Innerhalb von vier Jahren wurde die ehemalige Mühle in eine moderne Brennerei umgebaut, für die die Mehrheit der viktorianischen und gregorianischen Gebäude erhalten bleiben konnten. Zugleich wurde darauf Wert gelegt, das Ökosystem um den durch das Gelände fließenden River Test zu bewahren und eine möglichst hohe Nachhaltigkeit zu erhalten (mehr dazu im Abschnitt „Herstellung“). Für die besagte Nachhaltigkeit ließ man unter anderem die Wasserturbine restaurieren, mit der bereits die einst noch aktive Mühle ihren Strom im River Test gewann. Im Mittelpunkt des neuen „Home of Bombay“ steht ein neu errichtetes Gewächshaus im viktorianischen Stil, das den Besuchern in seinen zweigeteilten Kammern die Pflanzen der klassischen sowie exotischen Botanicals des Gins vorstellt. Die Brennerei verfügt über mehrere Bars wie die „Mill Bar“, um die Besucher mit Cocktails auf der Basis der hauseigenen Gins zu verköstigen.

Brennerei
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Brennerei
Gewächshaus
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Gewächshaus

Zeitgleich mit dem 250-jährigen Jubiläum der originalen Rezeptur von Thomas Dakin im Jahr 2011 kam der um zwei asiatische Botanicals erweiterte Bombay Sapphire East zunächst exklusiv auf den US-amerikanischen und kurze Zeit später auch auf den europäischen Markt. Zu einer erneuten Sortimentserweiterung kam es im Jahr 2015 mit dem auch zwölf Botanicals umfassenden Star of Bombay London Dry Gin, der von Brennmeister Nik Fordham und Experte für Botanicals Ivano Tonutti entwickelt wurde.