Die Welt der Agave: Von Mezcal bis Tequila

Mexiko steht weltweit immer mehr im Fokus. Die Popularität der mexikanischen Küche und Kultur nimmt weltweit zu, was auch zu einer wachsenden Faszination für traditionelle mexikanische Spirituosen führt. Verbraucher werden von der reichen Geschichte, den handwerklichen Produktionsmethoden und dem einzigartigen Geschmacksprofil der Produkte des Landes angezogen.

Darüber hinaus hat die steigende Nachfrage nach Premium-Spirituosen dazu geführt, dass auch die Agaven-Spirituosenindustrie diese Kategorie weiter ausgebaut hat, was zu höheren Verkaufszahlen der Produkte weltweit geführt hat. Insbesondere handwerklich hergestellte Tequila und Mezcal stehen dabei heute im Fokus.

Agavenfeld
Bild: Corralejo Tequila

Neben Tequila und Mezcal findet man sogar bereits Sotol, Bacanora und Raicilla auf verschiedenen Märkten. Agavenbrände aus anderen Ländern stehen kurz vor ihrer Marktreife. Agavenbrände sind also definitiv ein neuer Trend!

Die faszinierende Welt der Agavenbrände hat in den letzten Jahren weltweit an Aufmerksamkeit gewonnen, wobei besonders Mezcal und Tequila im Mittelpunkt stehen. Diese Spirituosen, die aus Agavenpflanzen in Mexiko gewonnen werden, haben ein reiches Erbe und bieten eine beeindruckende Vielfalt an Geschmacksnuancen.


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Die Größe des globalen Tequila-Marktes wurde im Jahr 2021 auf 9,89 Milliarden US-Dollar geschätzt und soll von 10,43 Milliarden US-Dollar im Jahr 2022 auf 15,57 Milliarden US-Dollar im Jahr 2029 wachsen, was einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 5,89 % im Prognosezeitraum entspricht (Quelle: Fortune Business Insights).

Agavenbrände im Überblick

Die wohl bekannteste und am weitesten verbreitete Agavenspirituose ist Tequila, der ausschließlich aus der blauen Agave hergestellt wird. Es gibt jedoch auch andere Agavenarten, die für die Produktion von Spirituosen verwendet werden. Daraus entstehen unter anderem Mezcal, Bacanora, Raicilla und Sotol. Jede dieser Spirituosen hat ihre eigenen charakteristischen Eigenschaften und Produktionsmethoden.

Tequila wird in der Region Jalisco und in vier weiteren, kleineren Gebieten in Mexiko hergestellt (Nayarit, Guanachato, Michoacan, Tamaulipas). Die blauen Agaven werden geerntet, die Blätter entfernt, und der verbleibende „Piña“ genannte Kern wird gegart und anschließend ausgepresst. Der entstandene Saft wird zuerst fermentiert, dann destilliert und anschließend oft in Eichenfässern gelagert.

Volcán de mi Tierra Tequila
Bild: Moët Hennessy

Wird ausschließlich der gepresste Agavensaft verwendet, spricht man von 100% Agaven Tequila; bei Verwendung von mindestens 51% Agavensaft spricht man von Tequila (oftmals auch noch als „Mixto“ bezeichnet).

Mezcal wird in verschiedenen Regionen im Süden Mexikos hergestellt, hauptsächlich in Oaxaca. Im Gegensatz zu Tequila wird Mezcal oft aus verschiedenen Agavenarten hergestellt, vorwiegend aus der Sorte Espadín (lat. Angustifolia) und nicht aus der blauen Agave. Die traditionelle Produktionsmethode beinhaltet das Garen der Agavenherzen in Erdgruben, was dem Mezcal häufig einen rauchigen Geschmack verleiht. Unterschiede entstehen auch durch die Herstellungsweisen, erkennbar an den Begriffen: Industrial (oft einfach nur Mezcal), Artesanal und Ancestral.

Topanito Mezcal Wild Series
Bild: Perola

Bacanora stammt aus der Sonora-Region in Mexiko und wird aus der Agave Angustifolia gewonnen. Ähnlich wie bei Mezcal erfolgt die Produktion traditionell durch das unterirdische Rösten der Agavenherzen.

Raicilla wird in den Bergen der Region Jalisco hergestellt und verwendet verschiedene Agavenarten. Die Produktionsmethoden können je nach Region variieren, orientieren sich aber häufig an der Herstellung von Mezcal. Auch hier spielt das Rösten der Agaven eine wichtige Rolle.

Sotol wird aus der Sotol-Pflanze (Dasylirion) gewonnen, die in der Chihuahua-Wüste in Mexiko wächst. Im Gegensatz zu Agaven hat die Sotol-Pflanze schmale, längliche Blätter. Die Herstellung ähnelt der von Tequila und Mezcal.


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Die aromatische Faszination der Agave

Die Welt der Agavendestillate bietet eine faszinierende Vielfalt an Aromen und Geschmacksrichtungen, die von süß und fruchtig bis zu rauchig und erdig reichen können. Die Kunst der Destillation und die Wahl der Agavenart beeinflussen maßgeblich das Endprodukt. Kenner schätzen die Vielfalt und die kulturellen Nuancen, die mit jeder einzelnen Sorte von Agavendestillaten verbunden sind.

Tequila, der berühmteste Agavenbrand, wird in fünf geschützten Regionen Mexikos ausschließlich aus der blauen Agave hergestellt. Der Markt ist je nach Sorte in Blanco, Reposado, Añejo und Extra Añejo unterteilt.

Rooster Rojo Tequila
Bild: Rooster Rojo Tequila

Die Blanco-Varianten machen aufgrund ihres oft erdigen, halbsüßen und charakteristischen Agavengeschmacks einen bedeutenden Tequila-Marktanteil aus. Der milde Geschmack und seine Verfügbarkeit führen zu einem breiten Konsum. Die breite Verwendung von Blanco-Varianten in verschiedenen Drinks, wie zum Beispiel die in Europa sehr beliebte „Paloma“, trägt dazu bei, den großen Marktanteil zu halten.

Reposado- („geruht“) und Añejo- („gealtert“) Varianten erfreuen sich in den letzten Jahren immer größerer Beliebtheit, da die Verbraucher sich immer besser mit der Spirituose auskennen und bereit sind, neue Sorten zu entdecken.Im Gegensatz zu Blanco werden Reposado und Añejo gereift (Reposado: zwischen 2 Monaten und 1 Jahr; Añejo ab mindestens 12 Monaten), was ihre unterschiedlichen Aromen von Honig und Vanille, gepaart mit den typischen Agavennoten, erklärt. Extra Añejo-Varianten sind lang gereifte Varianten (>3 Jahre) mit deutlichem Fassaroma und oft auch schon einer oxidativen Reifecharakteristik.

Jose Cuervo Reserva de la Familia
Bild: Jose Cuervo

Im Gegensatz zu Mezcal wird Tequila noch überwiegend in industrielleren Prozessen hergestellt, aber es gibt eine wachsende Bewegung hin zu handwerklichen und hochwertigen Tequilas. Dabei sind die 100% Agave Tequila derzeit am stärksten nachgefragt.

Neu in diesem Segment ist die Nachfrage nach Produkten ohne Zusatzstoffe. Es handelt sich dabei um Tequila oder Mezcal, welche ohne Verwendung von synthetischen Aromen, Farbstoffen, Süßstoffen oder Zuckerzusätzen (u.a. Zucker / Glykole oder Aromastoffe) abgefüllt werden. Sie gehören zu den 100% Agave Produkten, welche dann zusätzlich mit 100% Organic oder der Ergänzung „ohne jegliche Zusätze“ gekennzeichnet werden. Im Zeichen eines immer bewussteren Lebens- und Genussstils sicher eine wegweisende Entwicklung.


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Umsatz- und Volumenentwicklung

Mit einem prognostizierten Marktvolumen von 10.050 Mio. € im Jahr 2024 wird in den USA am meisten Umsatz generiert. In Deutschland beträgt der erwartete Umsatz im Markt Tequila 2024 etwa 326,90 Mio. €. Laut Prognose wird im Jahr 2028 ein Marktvolumen von 378,60 Mio. € erreicht; dies entspricht einem jährlichen Umsatzwachstum von 3,74% (CAGR 2024-2028). Im Markt Tequila wird das mengenmäßige Marktvolumen im Jahr 2028 laut Prognose 11,39 Mio. Liter betragen. Im Markt Tequila wird im Jahr 2025 ein Absatzwachstum von 2,55% erwartet. Der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch im Markt Tequila wird im Jahr 2024 in Deutschland voraussichtlich bei 0,12 Liter liegen.

Es gibt auch Kritik

Der Premiumisierungstrend hat den regionalen Akteuren zahlreiche Möglichkeiten zur Einführung neuer Produkte geboten und sich dadurch positiv auf das Marktwachstum ausgewirkt.

Doch die Hersteller sind stark von Rohstoffen abhängig, insbesondere von in Mexiko produzierten Agavenpflanzen. Aufgrund der geringeren Anbaufläche für Agavenpflanzen in Mexiko kann es bei der Produktion von Mezcal (und auch Tequila) immer wieder zu einer Rohstoffknappheit kommen, die das Marktwachstum in den kommenden Jahren bremsen kann.

Stark diskutiert wird derzeit, dass insbesondere größere Mezcal-Produzenten auf ertragreiche Rohstoffe und den Anbau von Einzelfrüchten angewiesen sind, was einen starken Pestizideinsatz erfordert, der die genetische Vielfalt verringert. Dieser Prozess erzeugt erhebliche Abfälle, insbesondere bei der Entsorgung von Vinasse, was zur Wasser- und Bodenverschmutzung und zur Entstehung ökologischer Totzonen beiträgt. Darüber hinaus steht der Markt vor Herausforderungen durch unvorhersehbare Wetterbedingungen wie unregelmäßige Regenfälle, höhere Temperaturen und extreme Bedingungen, die sich auf die Produktivität der Agavenpflanzen auswirken und möglicherweise das Marktwachstum behindern.


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Nordamerika bleibt der wichtigste Markt

Nordamerika wird voraussichtlich weiterhin einen erheblichen Anteil am Weltmarkt halten. Die USA gelten als Hauptkonsument von Mezcal. Sein einzigartiger und rauchiger Geschmack hat ihn zu einer unverzichtbaren Spirituose in den USA gemacht. Darüber hinaus bietet die wachsende Verfügbarkeit von Premiummarken in ganz Nordamerika den Verbrauchern mehr Auswahlmöglichkeiten.

Nach Angaben von COMERCAM, einer staatlichen Einrichtung in Mexiko, ist der Bundesstaat Oaxaca der Hauptproduzent von Mezcal und machte im Jahr 2020 bereits mehr als 90% der Produktion aus. Darüber hinaus hat die wachsende internationale Nachfrage nach dem Getränk die Exporte erhöht und Chancen für den mexikanischen Spirituosenmarkt geschaffen.


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Europa wird im Prognosezeitraum voraussichtlich eine hohe CAGR (jährliche Wachstumsrate) verzeichnen. Der regionale Markt verzeichnete in den letzten Jahren einen deutlichen Anstieg der Nachfrage und des Interesses an dem Getränk.

Einer der wesentlichen Treiber für die Nachfrage nach diesem Getränk in Europa ist die wachsende Vorliebe der Verbraucher für handgefertigte und hochwertige Spirituosen. Da die Verbraucher in der Region sich der Getränke, die sie konsumieren, immer bewusster werden, suchen sie nach Produkten mit einzigartigen Geschmacksrichtungen und Produktionsmethoden.

Tahona-Steinrad
Bild: Corralejo Tequila

Angesichts der wachsenden Nachfrage nach handgefertigten Spirituosen entwickeln sowohl Tequila- als auch Mezcal-Hersteller hochwertige, handwerklich hergestellte Angebote, die auf diese Verbraucher zugeschnitten sind. Derzeit ist Spanien ein wichtiger Markt für Mezcal, wo in den Großstädten Barcelona und Madrid viele Mezcalerias oder Bars entstehen.

Mit einer wachsenden Anerkennung für handwerkliche Herstellungsverfahren und traditionelle Techniken gewinnen Agavenbrände auch in der internationalen Cocktailkultur an Bedeutung. Von klassischen Margaritas über den Longdrink „Paloma“ bis hin zu innovativen Mixgetränken – die Agave hat die Bar erobert und ihre Vielseitigkeit unter Beweis gestellt.

Agavenbrände werden uns in den kommenden Jahren weiter verstärkt begleiten, und das Verständnis und der damit verbundene Genuss werden Treiber dieser Entwicklung sein. Eine Entwicklung, die sehr zu begrüßen ist!

Jürgen Deibel
Jürgen Deibel ist Fachautor zahlreicher Bücher und Deutschlands erster hauptberuflicher Spirituosenexperte. Wenn er nicht gerade Fachartikel für Spirituosen-Journal.de verfasst, geht der Experte Beratungen, Schulungen und Tastings nach. Über sein Unternehmen Deibel Consultants erhalten Markeninhaber, Händler und Gastronomen individuelle Unterstützung. Für Wissensdurstige gibt es Deibel’s Academy of Fine Spirits , eine mehrtägige professionelle Aus- und Weiterbildung mit Abschlusszertifikat.