Die von der deutschen Bundesregierung diskutierte Erhöhung der Alkoholsteuer auf Spirituosen ist aus Sicht des Bundesverbandes Wein und Spirituosen International e.V. (BWSI) weder fiskalisch verlässlich noch wirtschafts- oder gesundheitspolitisch überzeugend. Der Verband warnt vor Fehlanreizen, zusätzlichen Belastungen für Unternehmen und unbeabsichtigten Nebenwirkungen für Gastronomie und Innenstädte.
Fiskalische Wirkung fraglich
Steuerpolitische Maßnahmen müssten berechenbar und zielgerichtet sein. Genau daran bestünden bei einer möglichen Erhöhung der Spirituosensteuer erhebliche Zweifel. Bereits heute würden Alkoholsteuern nur einen vergleichsweise kleinen Anteil zum Gesamtsteueraufkommen beitragen. Zugleich zeige eine BWSI-Modellrechnung: Höhere Steuern bedeuten nicht automatisch höhere Staatseinnahmen. Wenn Verbraucher auf Preissteigerungen mit Konsumrückgang oder Ausweichbewegungen reagieren, sinke die versteuerte Menge deutlich. Zusätzliche Alkoholsteuereinnahmen würden somit durch geringere Mehrwertsteuereinnahmen teilweise aufgezehrt. Ab 2029 sollen die Gesamteinnahmen aus Alkoholsteuer und Mehrwertsteuer in der BWSI-Modellrechnung sogar zurückgehen.
| BWSI-Modellrechnung auf Basis einer Preiselastizität von -1,5 | ||||||
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| Jahr | Versteuerte Menge nach Modell | Alkoholsteuer | MwSt.-Einnahmen | Gesamteinnahmen aus Alkoholsteuer und MwSt. | Veränderung ggü. Vorjahr | |
| 2026 | 149 Mio. Liter | 1,941 Mrd. € | 0,265 Mrd. € | 2,206 Mrd. € | ||
| 2027 | 111 Mio. Liter | 2,057 Mrd. € | 0,230 Mrd. € | 2,287 Mrd. € | + 81 Mio. € | |
| 2028 | 94 Mio. Liter | 2,079 Mrd. € | 0,220 Mrd. € | 2,299 Mrd. € | + 12 Mio. € | |
| 2029 | 80 Mio. Liter | 2,088 Mrd. € | 0,200 Mrd. € | 2,288 Mrd. € | – 11 Mio. € | |
„Eine Steuererhöhung auf Spirituosen ist kein verlässliches Instrument zur Haushaltskonsolidierung. Wer auf Mehreinnahmen setzt, muss auch berücksichtigen, dass sich Konsumverhalten anpasst. Das untergräbt die Kalkulation des Ministeriums und bringt negative Konsequenzen für die Wirtschaft mit sich“, erläutert Dr. Alexander Tacer, Geschäftsführer des BWSI.
Belastung für Gastronomie und mittelständische Strukturen
Besonders betroffen wären getränkegeprägte Gastronomiebetriebe, also Bars, Kneipen und Clubs, die bereits seit Jahren unter steigenden Kosten und wirtschaftlicher Unsicherheit leiden würden. Zusätzliche steuerliche Belastungen erhöhten den Preisdruck, dämpften die Nachfrage und erschwerten Investitionen. Die Konsequenz: ein wachsender Druck auf Geschäftsmodelle, rund 225.000 Arbeitsplätze und die wirtschaftliche Stabilität einer Branche, die einen Jahresumsatz von annähernd 10 Mrd. Euro erwirtschafte (Stand 2024), stark mittelständisch geprägt sei und entlang der gesamten Wertschöpfungskette wirke.
Widerspruch zu bestehenden politischen Maßnahmen: So habe man die Gastronomie zuletzt durch steuerliche Anpassungen gezielt entlastet. Eine gleichzeitige Mehrbelastung einzelner Produktgruppen konterkariere diese Ziele und führe zu inkonsistenten politischen Signalen.
Maren Meyer, Vorstandsvorsitzende Deutsche Barkeeper-Union e.V., ergänzt: „Gerade jetzt braucht die Branche Planungssicherheit und verlässliche Rahmenbedingungen. Zusätzliche steuerliche Belastungen treffen vor allem diejenigen Betriebe, die ohnehin unter hohem wirtschaftlichem Druck stehen. Die Politik muss jetzt zeigen, dass sie die besondere Rolle von Bars, Kneipen und Clubs für unsere Gesellschaft ebenso wie unsere Wirtschaft erkannt haben und entsprechend handeln.“
Inkonsistente Steuerpolitik schwächt Wirkung von Entlastungsmaßnahmen
Auch gesundheitspolitisch bleibe die Wirksamkeit pauschaler Steuererhöhungen auf einzelne Produktkategorien begrenzt. Der Alkoholkonsum in Deutschland sei seit Jahren rückläufig, während Präventionsmaßnahmen und Jugendschutz zunehmend greifen würden.
Tacer erklärt: „Wer verantwortungsvollen Konsum stärken will, sollte auf gezielte Prävention und Aufklärung setzen statt auf pauschale Steuererhöhungen, die weder differenzieren noch nachweislich wirksam sind.“
Breitere Auswirkungen auf Wirtschaftsstandort und Innenstädte
Über die unmittelbaren wirtschaftlichen Effekte hinaus sieht der Verband auch Risiken für die Attraktivität von Innenstädten und lokale Wirtschaftsstrukturen. Gastronomiebetriebe würden eine wichtige Funktion für Frequenz, Aufenthaltsqualität und wirtschaftliche Dynamik insbesondere in urbanen Räumen übernehmen, aber auch im ländlichen Raum. Eine zusätzliche Belastung könne dazu beitragen, bestehende strukturelle Herausforderungen weiter zu verschärfen.
Position des BWSI
Der BWSI plädiert daher für eine evidenzbasierte und kohärente Steuerpolitik: Statt pauschaler Steuererhöhungen sollten gezielte Maßnahmen zur Stärkung von Wirtschaftskraft, Investitionen sowie Aufklärung und Prävention im Fokus stehen.
Quelle: Bundesverband Wein und Spirituosen International e.V. (BWSI)




