Münsterländer Kornbrennereien haben sich in der „Allianz Kulturerbe Münsterländer Kornbrennereien“ zusammengeschlossen und richten einen offenen Brief an die Abgeordneten aus dem Münsterland in Bund und Land. Ihr Appell: Die geplante Erhöhung der Alkoholsteuer dürfe nicht im technischen Kleingedruckten entschieden werden. Sie betreffe Familienbetriebe, Arbeitsplätze, landwirtschaftliche Lieferketten, Gastronomie, Tourismus und ein Stück westfälischer Identität.
Nachfolged der offene Brief im originalen Wortlaut:
Für faire Alkoholpolitik statt einer weiteren Sonderbelastung von Spirituosen
Mittelstand und Kulturgut schützen
Eine Erhöhung der Alkoholsteuer, die de facto eine reine Spirituosensteuer ist, halten wir für nicht zielführend, um haushaltspolitische Defizite zu kompensieren. Sie wäre nicht verhältnismäßig, sondern eine Zusatzbelastung für den Spirituosensektor. Spirituosen tragen bereits heute mit rund 70 % einen überproportionalen Beitrag am Steueraufkommen aller alkoholischen Getränke, aber machen nur 4,6 % am Gesamtkonsum aus. Eine Steuererhöhung in dem von der Finanzkommission Gesundheit genannten Rahmen ergäbe fiskalpolitisch bestenfalls ein Nullsummenspiel, wahrscheinlich würde sie sogar aufgrund sinkender Absatzmengen, Ausweichreaktionen sowie begleitender Rückgänge bei Umsatzsteuer, Gewerbesteuer und lohnbezogenen Abgaben perspektivisch sogar zu Mindereinnahmen für den Staat führen.
Existenziell wirtschaftlich bedroht wären insbesondere wir als mittelständische und familiengeführte Unternehmen. Wir bilden das Rückgrat der deutschen Spirituosenwirtschaft. Viele von uns sind seit Generationen in unseren Regionen verwurzelt. Wir produzieren in Deutschland, investieren hier, sichern Arbeitsplätze und schaffen Wertschöpfung vor Ort. Zusätzliche Belastungen im deutschen Markt können wir nicht ohne Weiteres über andere Länder, Marken oder Getränkekategorien ausgleichen. Für uns geht es deshalb um weit mehr als nur eine Steuerfrage: Es geht um Investitionen am Standort Deutschland, um Beschäftigung in ländlichen Räumen, um regionale Lieferketten und um die Verantwortung, die wir für unsere Unternehmen, Mitarbeitenden, Geschäftspartner und Regionen tragen – in einem Wort, es geht um unsere Existenz.
Wir sind Teil regionaler Wertschöpfung: angefangen bei Landwirtschaft und Glasherstellung über Logistik und Verpackung bis hin zu Handel und Gastronomie. Eine weitere steuerliche Belastung der Spirituose träfe deshalb nicht nur uns, sondern ganze wirtschaftliche Netzwerke. Wir pflegen die deutsche handwerkliche Brennkunst als immaterielles UNESCO-Kulturerbe und sind Teil einer langen Tradition und Genusskultur.
Seit Jahren befindet sich die Spirituosenbranche in einem tiefgreifenden Transformationsprozess. Der Konsum von Spirituosen ist seit Jahrzehnten rückläufig. Wir als Unternehmer reagieren darauf bereits mit einer strategischen Neuaufstellung, investieren in Innovationen – auch im Bereich der alkoholfreien und alkoholreduzierten Alternativen – und erschließen zusätzliche Geschäftsfelder, um auf veränderte Konsummuster und gesellschaftliche Entwicklungen zu reagieren. Eine zusätzliche steuerliche Belastung würde diesen Anpassungsprozess erschweren und die Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit vieler Unternehmen schwächen.
Verantwortung für die Gesellschaft, die Regionen, die Mitarbeitenden und für die Kundinnen und Kunden sind für uns selbstverständlich: Prävention, Jugendschutz und der Kampf gegen missbräuchlichen Alkoholkonsum gehören zu unserem Selbstverständnis. Daher engagieren wir uns vielfältig und unterstützen zielgerichtete Maßnahmen zur Förderung eines verantwortungsvollen Konsums.
Für viele von uns mittelständischen familiengeführten Unternehmen wäre eine Steuererhöhung auf Spirituosen existenzgefährdend – obwohl dadurch fiskalpolitisch nichts gewonnen wäre. Wir appellieren daher an Bundesregierung, Bundestag und Verwaltung, von einer Erhöhung der Alkoholsteuer auf Spirituosen Abstand zu nehmen.
Quelle: Allianz Kulturgut Münsterländer Kornbrennereien






